Ausflug mit Stadtführung in Paderborn

 

Am 30.April 2011 um 11:00 Uhr haben sich die Taubblinden und ihre Assistenten am Hauptbahnhof in Paderborn getroffen. Der Stadtführer Thore Willers begrüßte die Teilnehmer und freute sich seine Heimat vorstellen zu können.

Als an der Pader aufgewachsener junger Mann kennt er die Geschichte und stellt den Ablauf der Stadtführung vor:

Die schweren Bombardements vor 66 Jahren  am Ende des zweiten Weltkrieges zwischen 17. Januar und 27. März 1945 auf Paderborn, kostete vielen Menschen das Leben.

Mehr als 900 Bürger, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Fremde, die sich zufällig in der Stadt aufhielten, fielen diesen Angriffen zum Opfer.

 Paderborn war infolge der verheerenden Luftangriffe durch die Alliierten zu über 85% zerstörten. Dadurch verlor Paderborn  das Gesicht seiner damals fast 1200 jährigen Geschichten.

776 Aufenthalt Karls des  Großen, Gründung der Pfalz und der Karlsburg. Es gab kein Paderborn sondern nur die Pfalz und die Karlsburg. Wer ist Karl? Karl ist ein Kaiser.

799 treffen von Papst Leo III  und Karl dem Großen auf der Pfalz und der Karlsburg. Beschluss Karls Kaiserkörnung (Im Jahr 800 in Rom).  Gründung des Bistums Paderborn.

Baubeginn der ersten Vorgängerkirche des heutigen Domes. Also: in Paderborn würde 799 das gleichnamige Bistum gegründet. Besonderheit ist natürlich die Paderquelle. 1028 wurde Paderborn erstmals urkundlich als Stadt genannt.

Der Fluss heißt „Pader“, born ist ein altdeutsches Wort und heißt Quelle, darum Pader-born

1850 war die Eröffnung  des Paderborner Hauptbahnhof.  Die Königlich- Westfälische Eisenbahn- Gesellschaft eröffnete 01.10.1850 die Bahnstrecke nach Hamm. Die Weiterführung nach Warburg erfolgte 1953.

Wir fuhren mit dem Bus vom Hauptbahnhof zur Stadtmitte (Westerntor).Es gibt einen Wasserbrunnen, dieser kommt aus dem Pumpwerk mit 5 Brunnen „Wasserkunst“.

Die Westernstraße ist die Einkaufsmeile. Die Vermutung ein Cowboy hätte hier seine Spuren hinterlassen ist natürlich unwahr. Ab 1910 fuhr direkt eine Straßenbahn durch die wichtigste Einkaufstrasse Paderborn. 1900 fuhr sie erstmals vom Hauptbahnhof zum Stadtteil Paderborn, Schloß Neuhaus. 27. September 1963 fuhr sie zum letzten Mal. Ein verlängerter Straßenzug „Kamp“ gab Anlass die Straßenbahn aufzulösen. Vor dem Krieg gab es schon einen  schweren Verkehrsunfall zwischen einem Militärfahrzeug und der Straßenbahn. Der  Kamp ist sehr schmal.

1613-1620 wurde das Rathaus durch Hermann Baumhauer als herausragendes Beispiel der Weserenaissance  im  Auftrag von Fürstbischof Dietrich gebaut. 1945 wurde es  fast völlig zerstört.  1947- 1958 wieder aufgebaut. Dort befindet sich noch heute das Standesamt. Beim ZDF- Wettbewerb „ Die  besten Lieblingsorte der Deutschen“, belegte das Paderborner Rathaus den Platz 5.

Das Stadtmodell am Rathausplatz ist durch Formen und Punktschrift auch für Blinde und Taubblinde voll ertastbar. Somit können sich auch behinderte Menschen eine Vorstellung der wichtigsten Gebäude und Anordnung des Stadtkernes machen.

Unser weiterer Erkundungsgang führt uns zum Domplatz mit seinem wunderschönen Neptunbrunnen.

Der Dom genannt der „Hohe Dom“ liegt im Zentrum der Stadt. 806-815 gab es den ersten Bischof namens Hathumar. 1974- 2002 war es Kardinal Erzbischof Johannes- Joachim Degenhardt. Vor dem Papst gibt es den Kardinal (Kardinäle). 2002- heute ist es Erzbischof Hans- Josef Becker.

Auch gibt es das berühmte „Drei Hasen Fenster“. Drei Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei. Paderborner Comic- Hase, Gundi, Carlo und Heinrich.

Durch den ersten Papst Leo III wurde das Bistum Paderborn gegründet. Der erste Patron war Liborius von Le Mans. Er kam aus Frankreich. Zum Gedenken an dieses Ereignis  findet jährlich eine Kirmes  das größte  Libori  Fest statt.

Zum „Hohen Dom“ besichtigen wir die Kaiserpfalz, hier wurde vom Karl des Großen Hof gehalten.

Archäologen legten vor Jahren vieles durch den 2. Weltkrieg verschüttet  gegangenes wieder frei. Um den Quellkeller und der Kaiserpfalz ranken sich spannende Sagen und Legenden. Die Taubblinden erspürten das reine Quellwasser, ein unglaubliches Erlebnis. Der Usher- Betroffene kann das Quellwasser sehen. Vom Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg wurde in den Quellen die Kleidung gewaschen.

Ganz in der Nähe liegt das Adam und  Eva Haus. Dort befindet sich die gesamte Stadtgeschichte. Sehr schön renoviert und wirklich sehenswert.

Weiter geht es zur größten Brotfabrik, hier gibt es das Paderborner Landbrot. Der Aldi vertreibt dieses sehr leckere Paderborner Brot. Viele Flüchtlinge gab es im Paderborn Quellgebiet.

Anschließend besuchten wir den Kamp, der schließlich ausschlaggebend für Einstellung der Straßenbahn war.

Hier gibt es nicht nur ein Kino, sondern viele schöne Straßencafes und ein großes Einkaufscenter, die Liborigalerie.

Die Statue des hl. Liborius und dem daneben stehenden Pfau sind bis heute dem Liborius- Kamp geblieben. Der Blick geht in Richtung des „Hohen Domes“.

Wir hatten Hunger und wurden ganz schnell fündig. Ein großer Saal kam uns sehr gelegen, in der Libori Galerie wurde für unser leibliches Wohl gesorgt. Das Chinarestaurant bietet ein Buffet an, jeder isst so viel er mag.

Gemütlich ließen wir den Tag ausklingen. Wir hatten uns noch so viel zu erzählen und konnten uns nur schlecht trennen. Beide Seiten waren sehr zufrieden. Jederzeit kann eine Stadtführung wiederholt werden. Ich bedankte mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen und wünschte Gästen und ihren Assistenten für die Zukunft alles Gute.

 

Berichte: Thore Willers

Fotobilder: Hier Klicken!

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